Demenz

Fällt die Demenz-Epidemie aus?

Angeblich verdoppelt sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 auf drei Millionen. Neue Studien säen jedoch Zweifel an dieser Prognose. Ein Kommentar
Weniger oder mehr Demenzkranke?
Weniger Demenzkranke statt mehr? Wie geht das zusammen mit der These von der Alzheimer- Epidemie?

„Der angedeutete Rückgang des Auftretens von Demenz fällt zusammen mit Verbesserungen bei schützenden Faktoren (wie Bildung und Lebensbedingungen) und einer allgemeinen Verringerung bei den Risikofaktoren (wie Gefäßkrankheiten) in den vergangenen Jahrzehnten“, erklärt die Studienleiterin Brayne. Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte seien besser zu verhindern und behandeln, das mache sich nicht nur bei Herz- und Gefäßleiden, sondern auch positiv beim Demenzrisiko bemerkbar.

Gesunder Lebensstil = weniger Demenz
Die Menschen altern gesünder als noch vor Jahrzehnten. Deshalb erkranken sie seltener (oder später) an Demenz. Das gilt vermutlich nicht nur für Briten und Schweden, sondern ebenso für uns Deutsche, auch wenn es bei uns keine entsprechende Studie gibt. Es wäre dennoch sinnvoll, die düsteren Prognosen zu überdenken. Die „Epidemie“ findet womöglich nicht statt.

Trotz aller Fortschritte bleibt Demenz eine gewaltige Herausforderung. Die Autoren der „Lancet“- Studie fordern, mehr in die Vorbeugung zu investieren. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Hinter dem Begriff Demenz verbergen sich verschiedene Krankheiten. Am häufigsten ist die Alzheimer- und die durch Gefäßverkalkung und Durchblutungsstörungen bedingte Demenz. Zusammen machen sie 80 Prozent aller Fälle aus, wobei sie häufig „gemischt“ vorkommen.

Die gefäßbedingte Demenz lässt sich teilweise mit den gleichen Mitteln verhüten, mit denen man auch anderen Gefäßleiden vorbeugt: Gesunder Lebensstil, das Bekämpfen oder Vermeiden von Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Fettsucht, Rauchen und körperlicher Trägheit. Motto: Was dem Herzen hilft, hilft auch dem Hirn.

Umstritten ist dagegen, ob und wie sich Alzheimer vorbeugen lässt. Zwar gibt es jede Menge Hinweise und einen Berg von möglichen Risiko- und Schutzfaktoren. Dennoch sind gerade bei dieser besonders gefürchteten Demenz eindeutig gesicherte Erkenntnisse darüber, wie sie sich vermeiden oder hinausschieben lässt, Mangelware. Hätte man sie, der Sieg über die Demenz rückte deutlich näher.

Quelle Tagesspiegel.de von Hartmut Wewetzer