Kurzzeitpflege – Wer Anspruch darauf hat und wie viel die Kasse bezahlt

Wer sich zu Hause liebevoll um einen Angehörigen kümmert, braucht hin und wieder eine Auszeit zur Erholung. Manchmal werden pflegende Angehörige auch selber krank. Doch wer kümmert sich dann um die pflegebedürftige Person? Hier greift das Konzept der Kurzzeitpflege: Bis zu acht Wochen wird diese Entlastungsform von der Pflegekasse bezuschusst.

Was ist Kurzzeitpflege?

Laut Definition bezeichnet Kurzzeitpflege die vollstationäre Versorgung einer pflegebedürftigen Person für einen begrenzten Zeitraum. Beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn die Pflege zu Hause für einige Wochen ausgesetzt werden soll, können die Bedürftigen in speziellen Pflegeeinrichtungen vorübergehend untergebracht werden.

Wer hat Anspruch auf Kurzzeitpflege?

Seit Januar 2017 gelten neue Gesetze für den Anspruch auf Kurzzeitpflege. Die bisher bekannten drei Pflegestufen wurden durch fünf Pflegegrade ersetzt. Demnach können jetzt Personen mit Pflegegrad 2, 3, 4 und 5 die Bezuschussung in Anspruch nehmen. Ebenfalls Patienten, die durch eine plötzliche Krankheit oder einen Unfall unvorhergesehen pflegebedürftig geworden sind. In erster Linie dient die Kurzzeitpflege als Entlastung für die Angehörigen, die für die häusliche Pflege aufkommen.

In den folgenden Fällen kann die Leistung beantragt werden:

  • Die Pflegeperson wird unerwartet selbst krank und kann die Aufgaben nicht mehr ausführen.
  • Die Pflegeperson plant einen Urlaub oder Reha-Aufenthalt zur Erholung.
  • Der pflegende Angehörige benötigt eine Auszeit, um wieder zu Kräften für die weitere Pflege zu kommen.
  • Wenn ein Patient nach einem Krankenhausaufenthalt noch pflegebedürftig ist.
  • Wenn die Pflegebedürftigkeit plötzlich auftritt und am Haus/in der Wohnung Umbauarbeiten nötig werden.
  • Wenn der Pflegeaufwand sich durch Verschlechterung des Gesundheitszustands verstärkt.
  • Als Übergang in einen dauerhaften Aufenthalt in einem Pflegeheim, wenn noch kein fester Platz gefunden wurde oder verfügbar ist.

Wie viel bezahlt die Kasse?

Für die zeitlich begrenzte Unterbringung in einem Pflegeheim fallen diverse Kosten an, die sich aus den Pflegekosten und einem zusätzlichen Betrag für die Unterbringung und Verpflegung (sogenannte Hotelkosten) zusammensetzen. Pro Kalenderjahr übernimmt die Pflegekasse bis zu 1.612 Euro. Während der acht Wochen, die eine Kurzzeitpflege maximal dauern darf, wird das Pflegegeld in halber Höhe weitergezahlt.

Bei Bedarf können Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege kombiniert werden. Hierfür stehen pro Jahr ebenfalls 1.612 Euro von Kassenseite zur Verfügung. Es gibt sogar noch einen weiteren finanziellen Posten, der zur Kostendeckung genutzt werden kann: Für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen steht Pflegebedürftigen ein Betrag von 125 Euro pro Monat zu. Allerdings ist es nicht möglich, den Entlastungsbetrag im Voraus in Anspruch zu nehmen. Man kann aber die Entlastungsbeträge ansparen und dann z.B. mit den Hotelkosten der Kurzzeitpflege verrechnen.

Was dann unterm Strich noch übrig bleibt, muss der Bedürftige aus eigener Tasche begleichen. Da jede Einrichtung unterschiedliche Tagessätze hat, lohnt sich vorab ein Preisvergleich. Stehen weder beim Pflegebedürftigen noch bei den Angehörigen genügend finanzielle Mittel zur Verfügung, hilft das Sozialamt weiter. Hier kann ein Antrag auf Kostenerstattung gestellt werden.

Beispielrechnung:
Frau Meier hat Pflegegrad 2 und geht ab September für acht Wochen zur Kurzzeitpflege in eine Pflegeeinrichtung. Sie hat noch keine Entlastungsbeträge erhalten und auch noch keine Verhinderungspflege in Anspruch genommen.

Leistungen Kosten Erstattung
Kosten für 8 Wochen Pflege 5.000 Euro
Hotelkosten 1.800 Euro
Erstattung über Kurzzeitpflege  1.612 Euro
Erstattung über Verhinderungspflege  1.612 Euro
Entlastungsbeitrag für 10 Monate á 125 Euro  4.474 Euro
Gesamt  6.800 Euro
Eigenanteil  2.326 Euro

Wo gibt es den Antrag auf Kurzzeitpflege?

Der Antrag auf Kurzzeitpflege ist über die Pflegekasse oder das Pflegeheim erhältlich und sollte möglichst rechtzeitig vor dem gewünschten Zeitraum vom Pflegebedürftigen bzw. seinem gesetzlichen Vertreter unterschrieben werden. Beim Ausfüllen hilft gegebenenfalls die Pflegekasse oder der Sozialdienst des Pflegeheims oder Krankenhauses. Vor allem zur Ferienzeit kommt es in vielen Einrichtungen zu einem Engpass an freien Kurzzeitpflege-Plätzen. Im Notfall findet sich jedoch immer eine Lösung, wenn ein Pflegeplatz unvorhergesehen benötigt wird.

Gibt es Kurzzeitpflege auch ohne Pflegegrad?

Wer bisher nicht in einen der Pflegegrade 2 bis 5 eingestuft war, kann dennoch Kurzzeitpflege beantragen, wenn durch einen Unfall oder eine unvorhergesehene Krankheit plötzlich der Bedarf nach Pflege auftritt. Die Kosten dafür trägt jedoch die Krankenkasse, nicht die Pflegekasse. Sollte dieser Fall eintreten, hilft meist der Sozialdienst des jeweiligen Krankenhauses bei der Beantragung weiter.

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