Pflegereform 2016: Höhere Kosten aber bessere Leistungen

Mit der Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung Mitte der 1990er Jahre hat der Gesetzgeber eine soziale Unterstützung geleistet, die bereits heute für Millionen Haushalte in Deutschland nicht mehr fortzudenken ist. Mit der Pflegereform 2016 wird das Kosten- und Leistungsspektrum nun angepasst, die Einflüsse auf die bisherigen Pflegestufen, Kosten und Leistungen sollen im Folgenden aufgezeigt werden.

Reaktion auf steigenden Bedarf

Die deutsche Gesellschaft altert zunehmend, immer mehr Menschen hierzulande verfügen über eine eingeschränkte Alltagskompetenz oder echte Pflegebedürftigkeit nach einer der drei gesetzlichen Pflegestufen. Da knapp zwei Drittel der Betroffenen durch Angehörige im häuslichen Umfeld gepflegt werden, soll die Pflegereform 2016/17 vor eine echte Entlastung für diese direkt Betroffenen schaffen und genauer auf individuelle Defizite und Problemsituationen eingehen.

Die radikalste Systemänderung entsteht durch die Aufgabe der bislang etablierten drei Pflegestufen, stattdessen wird die Pflegebedürfigkeit zukünftig in fünf Pflegegrade eingeteilt. Hierbei wird genauer auf die vorliegende, eingeschränkte Alltagskompetenz des Antragsstellers in Bereichen wie Mobilität, psychische Verhaltensweisen oder soziale Interaktionsfähigkeit geschaut. Die einzelnen Faktoren werden unterschiedlich gewichtet und ermöglichen die Einstufung in einen der neuen Pflegegrade.

Auswirkungen auf Leistungen und Kosten der Systemumstellung

Die Abkehr von den bislang etablierten Pflegestufen begünstigt viele Betroffene, die eine eingeschränkte Alltagskompetenz aufweisen und dennoch keinen klassischen Pflegefall im bisherigen System darstellten. Vor allem Demenzkranke werden von der Umstellung auf die neuen Pflegegrade profitieren und bessere Chancen auf die Auszahlung eines Pflegegeldes haben. Konkrete Prognosen wagen selbst Branchenexperten noch nicht, da sich die Systemumstellung von Pflegestufen auf die neuen Pflegegrade erst in der Praxis etablieren muss.

Viele Betroffene mit einer geringen Pflegebedürftigkeit, die lediglich eine gemäßigt eingeschränkte Alltagskompetenz aufweisen, werden im Durchschnitt höhere Leistungen als bislang erhalten bzw. erstmalig durch das neue Pflegesystem erfasst. Umgekehrt werden manche Pflegebedürftige durch die Systemumstellung weniger Geld erhalten, als es nach der etablierten Regelung mit den drei Pflegestufen der Fall war.

Gesamt betrachtet kommt es zu einer leichten Anhebung der durchschnittlichen Pflegeleistungen, die natürlich ihren Preis hat: Ab 2017 steigt der Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung für alle sozialversicherten Erwerbstätigen um 0,2 Prozentpunkte.

Bessere Beratung und Entlastung für Betroffene

Neben dem finanziellen Aspekt geht die neue Pflegereform stärker auf pflegende Angehörige ein, die unerlässliche Aufgaben für einen nahestehenden Verwandten übernehmen. So wird das Pflegegeld für Kurzzeit- und Verhinderungspflege fortan über einen längeren Zeitraum hälftig weitergezahlt. Bei der Verhinderungspflege gilt dies über einen Zeitraum von maximal 42 Tagen, bei der Kurzzeitpflege für 56 Tage. Bislang war die maximale Leistungsdauer auf 28 Tage unabhängig der Pflegegrade bzw. festgelegten Pflegestufen begrenzt.

Generell lässt die die Sonderpflege fortan flexibler gestalten. Ab sofort können maximal acht statt der bisherigen vier Wochen Kurzzeitpflege pro Jahr beantragt werden. Und auch in der Beratung geht der Gesetzgeber zukünftig stärker auf die Pflegerealität ein, die neben dem Pflegebedürftigen gerade Verwandte stark beansprucht. Nach bisheriger Regelung war ausschließlich die Person, die eine eingeschränkte Alltagskompetenz oder Pflegebedürftigkeit aufwies, zur Inanspruchnahme von Beratungsmaßnahmen rund um ihre Situation befähigt. Mit der Pflegereform 2016/17 wurde dieses Anrecht nun auf Angehörige ausgeweitet, die sich der häuslichen Pflege widmen und umfangreiche Informationen für die neue Lebenssituation benötigen.