Pflegestufen: Wer entscheidet über die Pflegestufen und Pflegeleistungen der Pflegekasse?

Die Pflegestufen werden durch die Pflegekasse bzw. den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) und/oder den Sozialmedizinischen Dienst festgelegt. Auf Basis der festgelegten Pflegestufe wird der Geldbetrag bestimmt, den Sie von der Pflegekasse zur Pflege Ihrer Angehörigen erhalten.
Die Pflegebedürftigkeit bei den Pflegestufen und Pflegeleistungen wird je nach Intensität des Aufwandes drei Pflegestufen zugeordnet. Bei den einzelnen Pflegetätigkeiten bedient man sich der täglichen Aktivitäten einer Person. Tätigkeiten wie die Körperpflege, Ernährung und Mobilität werden zur Grundpflege gerechnet:

Voraussetzung für eine Pflegestufe ist eine „Pflegebedürftigkeit“ im Sinne des Gesetzes (SGB XI). Abhängig vom täglichen Zeitaufwand der Pflege werden Pflegebedürftige in die unterschiedlichen Stufen 1, 2 und 3 eingeordnet. Entsprechend unterschiedlich fällt auch die Höhe der Geld-Leistungen aus. Durch die Ablehnung einer Pflegestufe, entgeht den Pflegebedürftigen dauerhaft die finanzielle Unterstützung, welche diese für die Pflege dringend benötigen. Deshalb ist es besonders wichtig, sich gut auf den Besuch des MDK vorzubereiten und eine neutrale Pflegeberatung in Anspruch zu nehmen. Als Vorbereitung vor dem Besuch des MDKs empfiehlt es sich, ein Pflegetagebuch zu führen. Sollte eine falsche Einstufung erfolgen, gibt es die Möglichkeit des Pflegestufe-Widerspruchs.

Pflegestufe 0

Im Allgemeinen eine Unterstützung für Demenzkranke

Neben den genannten Pflegestufen werden in der Praxis auch die Pflegestufen 0 (k) für „kein“ Pflegebedarf und 0 für einen „geringen“ Pflegebedarf“ innerhalb der häuslichen Pflege von Personen mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf verwendet. Zur Pflegestufe 0 werden z.B. an demenzerkrankte Menschen gezahlt, die laut Gesetz nicht „pflegebedürftig“ sind, aber in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt. Wenn diese „eingeschränkte Alltagskompetenz“ vom MDK bescheinigt wurde, hat der Betroffene seit 2008 Anspruch auf bis zu 2.400 Euro im Jahr und erhält seit dem 01. Januar 2013 noch zusätzliche Leistungen aus dem Pflegeneuausrichtungs-Gesetz.

Pflegestufe 1

Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftige der Pflegestufe I sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche eine Haushaltshilfe benötigen. Der Hilfsbedarf liegt bei wenigstens 90 Minuten pro Tag. Dabei müssen mindestens 45 Minuten auf die Grundpflege entfallen.

Betreuungsbedürftige Demenzkranke in der Pflegestufe I erhalten mit dem PNG bei Betreuung durch einen Pflegedienst bis zu 665 Euro. In der Pflegestufe II stellt die Pflegekasse bis zu 1.250 Euro bereit. Auch das Pflegegeld bei Pflege durch Angehörige ist gestiegen. In der Pflegestufe 1 gibt es 305 Euro und in der Pflegestufe 2 auf 525 Euro. Für Demenzkranke in stationärer Betreuung gibt es mit dem PNG keine höheren Leistungen.

Pflegestufe 2:

Schwerpflegebedürftigkeit

Pflegebedürftige der Pflegestufe II sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der Hilfsbedarf liegt hier bei wenigstens 3 Stunden pro Tag bei einem Grundpflegebedarf von mindestens 120 Minuten. Pflegebedürftige innerhalb der Pflegestufe II erhalten ein Pflegegeld von 525 Euro oder bis zu 1.250 € Pflegesachleistungen.

Pflegestufe 3:

Schwerstpflegebedürftigkeit

Personen, die einer 24 Stunden Pflege und Hilfe bei der Ernährung, Körperpflege, Mobilität und zusätzlich Hilfe im Haushalt bedürfen, werden meist in die Pflegestufe III eingestuft.

Der Zeitaufwand muss mindestens fünf Stunden im Tagesdurchschnitt betragen, wovon für die Grundpflege mindestens vier Stunden aufgewendet werden müssen.

Die Härtefallregelung

Sind die Voraussetzungen der Pflegestufe III für eine 24-Stunden-Betreuung erfüllt und liegt ein außergewöhnlich hoher bzw. intensiver Pflegeaufwand vor, kann die Härtefallregelung in Anspruch genommen werden. In diesem Fall gibt es höhere Sachleistungen.

Neue Pflegestufen ab 2017

Fünf Pflegegrade, die nicht mehr am Zeitaufwand gemessen werden.

Da Pflegebedürftige mit eingeschränkter Alltagskompetenz bisher nur unzureichende Leistungen erhielten, wurde lange eine Reform des Pflegestufen-Systems gefordert. Seit April 2014 wird ein neuer Begriff der Pflegebedürftigkeit und ein neues System der fünf Pflegegrade erprobt. Dieses System soll aber erst ab 2017 greifen. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff orientiert sich nicht mehr nach dem zeitlichen Pflegeaufwand. Entscheidender Maßstab soll in Zukunft der Grad der Selbständigkeit sein. Dieser soll durch sechs festgelegte Kriterien, denen jeweils ein fester Punktwert zugeordnet ist, bestimmt werden. Im neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden nach Schwere der Beeinträchtigung in den Bereichen der Selbständigkeit Punkte vergeben. Mit ihnen wird dann anhand einer Skala von 0 bis 100 der Pflegegrad ermittelt. Anhand dieser Punkte wird der Pflegebedürftige in eine der fünf Pflegegrade eingeteilt. Dieses neue System wird in Probephasen bis 2015 durchgeführt und evaluiert. Die mögliche Leistungshöhe der fünf Pflegegrade ist noch nicht bekannt. Durch die Umstellung soll niemand schlechter gestellt werden, als vorher. Die Pflegebedürftigen, die bereits eine Pflegestufe haben, werden automatisch und ohne Antrag in einen neuen Pflegegrad eingestuft.

Quellen: Pflegereport der BEK 2013, Bundesministerium f. Gesundheit