Plötzlich Pflegefall – Was jetzt zu tun ist

Manchmal passiert es von heute auf morgen: Ein bisher eigenständiger Mensch wird aus heiterem Himmel zum Pflegefall und kann sich nicht mehr selbst versorgen. Ein Unfall, ein Schlaganfall, ein Sturz – womit niemand gerechnet hat, tritt unvermittelt ein und stellt das ganze Leben auf den Kopf.

Durch die unerwartete Änderung der Lebensumstände sind viele Angehörige völlig überfordert und wissen gar nicht, was nun alles auf sie zukommt. Was muss organisiert werden? Welche Formulare müssen ausgefüllt werden? Welche Hilfeleistungen kann man beantragen? Fragen über Fragen gehen durch den Kopf, Entscheidungen müssen schnell getroffen werden. Hier sind die wichtigsten Schritte, die jetzt zu tun sind:

Zeit für die Organisation nehmen

So schwer es auch sein mag: Wichtig ist, Ruhe und einen kühlen Kopf zu bewahren. Berufstätige können beim Arbeitgeber Pflegezeit, d.h. eine bis zu sechsmonatige Freistellung beantragen, um sich mit der neuen Situation zu arrangieren und alles Nötige zu organisieren. Vielleicht müssen sogar die Wohnung umgebaut und Hilfsmittel angeschafft werden. Für Unterstützung braucht es einen Antrag bei der Pflegekasse.

Pflegegrad beantragen

Sobald feststeht, dass der Angehörige zum Pflegefall geworden ist, sollte direkt der Pflegegrad beantragt werden. Denn nur dann gilt der Anspruch auf finanzielle Unterstützung der Pflegekasse. Die jeweilige Kasse stellt die Formulare bereit, die schriftlich eingereicht werden müssen. Befindet sich der Bedürftige noch in der Klinik, hilft der Sozialdienst des Krankenhauses bei der Beantragung weiter. Wer mit der Situation überfordert ist, kann sich an eine Pflegeberatungsstelle wenden. Hier werden sämtliche Fragen zu Organisation und Kosten genau erklärt. Denn je nach Pflegegrad (von 1 bis 5) unterscheidet sich die Höhe der finanziellen Zuschüsse.

Den Umfang der Pflegebedürftigkeit ermitteln

Pflegefall ist nicht gleich Pflegefall: Während die einen sich noch weitestgehend gut artikulieren und versorgen können und nur Unterstützung im Haushalt oder bei der Körperpflege benötigen, sind andere sogar unfähig, selbst zu essen und zu trinken. Deshalb ist es wichtig, eine genaue Aufstellung in Form eines Pflegetagebuchs zu machen, wie umfangreich die Pflege ausfällt. Was kann der Betroffene, was kann er nicht? Entsprechend wird dann der Pflegegrad festgelegt und die nötige Hilfe beantragt.

24 Stunden Daheim pflegen oder im Heim pflegen?

Die wichtigste Frage ist wohl: Soll der Angehörige zu Hause gepflegt werden oder in einem Pflegeheim? Ist die 24 Stundenpflege im eigenen Zuhause überhaupt umsetzbar oder braucht der Betroffene eine Rundum-Versorgung? Ist eine Pflegekraft aus Osteuropa eine Lösung, um die häusliche Pflege zu ermöglichen? Vielleicht kommt aber auch Betreutes Wohnen oder eine Senioren-WG infrage? Eine genaue Überlegung der Vor- und Nachteile ist sinnvoll, vor allem auch der Besuch in verschiedenen Pflegeheimen. Denn hier gibt es große Unterschiede im Umgang mit den Pflegebedürftigen. Wer sich zur Pflege in einem Heim entscheidet, muss vermutlich einige Zeit warten, bis ein Platz frei wird. Für den Übergang greift die Kurzzeitpflege.

Ambulante Pflegeleistungen beantragen

Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn bei der häuslichen Versorgung eines Angehörigen Hilfe von außen benötigt wird. Jeder sollte selbst realistisch einschätzen, welche Aufgaben zumutbar sind – und welche lieber ein Außenstehender übernehmen sollte. Wer sich für die Pflege daheim entschieden hat, sollte also möglichst schnell bei der Kasse ambulante Pflegeleistungen beantragen. Denn niemand kann 24 Stunden am Tag auf den Angehörigen aufpassen.

Zur Unterstützung kommt der ambulante Dienst täglich oder bei Bedarf vorbei, um dem Bedürftigen bei der Körperpflege, beim Anziehen oder Essen zu helfen. Ebenfalls bei der Versorgung mit Medikamenten, wenn beispielsweise Injektionen verabreicht werden müssen. Auch Hilfsmittel, wie beispielsweise Gehhilfe, Rollstuhl, Hörgerät oder Badewannenlifter werden bis zu einem gewissen Anteil von der Kasse finanziert. Hierzu ist ebenfalls ein Antrag nötig.

Vollmachten abklären

Falls nicht schon vorher geschehen, sollten jetzt Formalitäten über eine Vorsorge- und Generalvollmacht erledigt, ebenfalls eine Patientenverfügung und ein Testament aufgesetzt werden. Sofern der Pflegebedürftige noch im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten ist, ist es zumindest noch nicht zu spät, einem rechtlichen Vertreter alle nötigen Vollmachten zu erteilen. Denn nur dann kann im Ernstfall schnell gehandelt und eine Entscheidung im Sinne des Patienten getroffen werden. Beispielsweise das Unterzeichnen von Verträgen und die Abwicklung der Bankgeschäfte laufen dann problemlos ab.

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